Eine Website für einen Handwerksbetrieb, eine Praxis oder einen Verein muss nicht schön sein, um gut zu sein. Sie muss die drei, vier Fragen beantworten, mit denen Menschen sie öffnen – und zwar schneller, als die Geduld reicht. Alles Weitere ist Kür.
Die Frage vor der Gestaltung
Bevor über Farben, Schriften oder Bilder gesprochen wird, lohnt eine nüchterne Frage: Was soll auf dieser Seite passieren? Bei den meisten kleinen Betrieben gibt es genau eine Hauptsache – anrufen, einen Termin ausmachen, den Weg finden, ein Angebot anfordern, ein Formular herunterladen. Wer diese eine Sache benennen kann, hat die halbe Arbeit erledigt. Wer sie nicht benennen kann, bekommt eine Seite, die vieles andeutet und nichts trägt.
Daraus ergibt sich auch der Umfang. Viele Betriebe brauchen fünf bis acht Seiten, nicht fünfzig. Mehr Seiten bedeuten mehr Pflege, und ungepflegte Seiten schaden mehr, als sie nutzen: Eine Preisliste von vorgestern kostet Vertrauen, das kein Layout zurückholt.
Fünf Dinge, die praktisch jede Betriebsseite braucht
- Was Sie anbieten, in der Sprache Ihrer Kunden. Nicht „ganzheitliche Lösungen“, sondern „Heizung entkalken“ oder „Führerscheinfotos, ohne Termin“.
- Wo Sie sind und wann Sie da sind. Adresse als Text, nicht nur im Bild, dazu Öffnungszeiten, Parkmöglichkeit, Zugang.
- Wie man Sie erreicht. Telefonnummer als anklickbarer Link, E-Mail im Klartext, ein Weg reicht – aber der muss funktionieren.
- Ein Hinweis auf Preise. Auch ohne feste Liste hilft eine Größenordnung („Anfahrt im Umkreis von 20 km pauschal“). Das filtert Anfragen, die niemandem nützen.
- Impressum und Datenschutzerklärung. Beide sind Pflicht, das Impressum nach § 5 DDG, und beide gehören von jeder Seite aus erreichbar in den Fußbereich.
Gestaltung folgt dem Inhalt, nicht umgekehrt
Der häufigste Fehler ist die Reihenfolge: Erst wird ein Entwurf bewundert, dann wird Text gesucht, der hineinpasst. Das Ergebnis sind Seiten, auf denen unter einem großen Foto zwei Zeilen Allgemeinplatz stehen. Umgekehrt funktioniert es: Schreiben Sie die Inhalte zuerst, und sei es stichpunktartig. Der Entwurf wird davon besser, und die Abstimmung wird kürzer – ein Punkt, der sich unmittelbar in den Kosten niederschlägt.
Für die Gestaltung selbst gilt wenig mehr als Handwerk: ausreichend große Schrift (16 Pixel im Fließtext sind ein vernünftiger Anfang), genug Kontrast zwischen Text und Hintergrund, klickbare Flächen, die man mit dem Daumen trifft, und eine Navigation, die auf jeder Seite gleich aussieht. Wer das hat, braucht keine Effekte.
Technik: schnell, mobil, zugänglich
Drei technische Erwartungen sind heute selbstverständlich. Erstens die Anpassung an die Bildschirmbreite: Die Mehrheit der Besuche kommt vom Telefon, und eine Seite, die dort seitlich verschoben werden muss, wird weggeklickt. Zweitens Tempo – die größte Bremse sind fast immer unbearbeitete Fotos, dazu mehr unter Bilder und Videos. Drittens Verschlüsselung: Eine Seite ohne HTTPS markieren Browser als unsicher, und ein Zertifikat kostet bei praktisch allen Anbietern nichts mehr.
Hinzugekommen ist das Thema Barrierefreiheit. Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Es verpflichtet nicht jede Website, sondern bestimmte Dienstleistungen für Verbraucher – etwa Online-Shops, Buchungs- und Bestellstrecken. Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz sind bei Dienstleistungen ausgenommen; für Produkte gilt die Ausnahme nicht. Ob Ihr Angebot betroffen ist, klärt im Zweifel die Bundesfachstelle Barrierefreiheit oder die IHK.
Auch ohne Pflicht sinnvoll
Die Maßnahmen, die das Gesetz verlangt, sind größtenteils solche, von denen alle profitieren: verständliche Sprache, Alternativtexte bei Bildern, Bedienbarkeit mit der Tastatur, ausreichender Kontrast. Die technische Grundlage bilden die WCAG in der Stufe AA. Vieles davon kostet beim Neubau nichts, beim Nachrüsten viel.
Was Sie getrost weglassen können
Automatisch wechselnde Bilderkarussells im Kopfbereich werden selten zu Ende gesehen. Startseiten-Videos, die sich von selbst abspielen, kosten Datenvolumen und Nerven. Besucherzähler und „Seit 1998 im Netz“-Abzeichen wirken nicht traditionsbewusst, sondern vergessen. Und ein Chat-Fenster, das nach drei Sekunden aufspringt, vertreibt mehr Menschen, als es einfängt – zumal es meist Daten an Dritte gibt und damit eine Einwilligung nötig macht.
Der nüchterne Maßstab: Jedes Element, das nicht erklärt werden kann, warum es da ist, kann weg. Diese Regel spart mehr Geld als jede Verhandlung über den Stundensatz.
- Blatt
- 01 von 12
- Thema
- Grundlagen
- Stand
- 17. September 2026
- Quellen
- BFSG, W3C